Mar 22 2013

Fährt Ronny Riff nach Malmö?

Published by at 13:14 under Lucil Film,TV

SOURCE: http://www.wort.lu

Von Martine Hemmer

Ob sich das Genre Sitcom in Luxemburg etabliert hat, bleibt auch nach „Comeback“ fraglich. Freitagabend um 19 Uhr läuft die letzte Folge auf RTL und es wird noch mal spannend: Wird Ronny Riff Luxemburg beim Eurovision Songcontest vertreten? Doch der Hype um die Serie war trotz ausgeklügelter Social-Media-Strategie kleiner, als man zu Beginn hätte erwarten können.

Der Coup, den Produzent Bernard Michaux landete, als er den fiktiven Achtziger-Jahre-Star Ronny Riff schuf, war zunächst genial. Durch ein Fake-Video, das sein Team im Sommer im Athenäum drehte und anschließend auf Youtube veröffentlichte, ließ er vor allem die jüngeren Nutzer glauben, dass es den Jason-Donovan-Verschnitt aus Luxemburg tatsächlich gab. Doch der Plan, Realität und Fiktion verschmelzen zu lassen, ging nur bedingt auf.

Zwar fand „Comeback“ eine treue Fangemeinde im Netz (über 4700 Freunde auf Facebook), die rege diskutierte, und beim Public Viewing in der Bouneweger Stuff, wo die Sitcom zum größten Teil gedreht wurde, platzte die Kneipe aus allen Nähten. Doch wer sich auf weitere mediale Guerillaattacken gefreut hatte, wurde enttäuscht. Nichtsdestotrotz war „Comeback“ ein ziemlich gutes Stück Fernsehen.

Ein Novum für RTL

Erste Umfragen haben laut RTL ergeben, dass vor allem Luxemburger unter 35 Jahren die Sitcom regelmäßig sahen, meist im Internet. Insofern ist „Comeback“ durchaus ein atypisches Phänomen und für den Sender ein Novum gewesen. Demnach unterscheidet sich „Comeback“ nicht nur inhaltlich vom seinem sehr viel behäbigeren Vorgänger „Weemseesdet“. Beide Serien fanden ihr Publikum. RTL spricht von Reichweiten, die durchaus vergleichbar seien. Doch wem die Produktion mit und von Désirée Nosbusch gefiel, der konnte sich nur selten mit „Comeback“ anfreunden und umgekehrt.

War bei der Familie Wampach die Welt im Prinzip noch in Ordnung, zeichnete „Comeback“ einen Lebensentwurf, bei dem sich die Menschen vom Lustprinzip leiten lassen. Drei Freunde, die sich nicht im Geringsten um Ausbildung und Beruf kümmern und stattdessen ihre Zeit mit Alkohol und albernen Wetten vergeuden, eine Mutter, auf dem Selbstverwirklichungstrip und ein alternder Popstar, der nach und nach entdeckt, wie viele Kinder er eigentlich in seinem Leben gezeugt hat: Da kann die Identifikation schon mal schwer fallen.

Schnelle Schnitte, Flashbacks, Jugendslang

Das aus aufstrebenden Filmschaffenden zusammengesetzte „Comeback“-Team rüttelte außerdem an den Luxemburger Sehgewohnheiten. Schnelle Schnitte, Flashbacks, Jugendslang, ein hipper Soundtrack – manch ein Zuschauer schien davon schlechtweg überfordert, so als hätte es MTV nie gegeben. Hatten die Drehbuchautoren zu Beginn ein geradezu atemberaubendes Tempo vorgelegt, drosselten sie im Laufe der Handlung die Geschwindigkeit, um die Charaktere zu entwickeln.

Es machte Freude, den jungen Nachwuchsdarstellern, die man geradewegs von der Schulbank gecastet hatte, dabei zuzusehen wie sie von Episode zu Episode selbstsicherer wurden und mit ihrer Rolle wuchsen. Julie Kieffer, Konstantin Rommelfangen und Tommy Schlesser standen während der gesamten Dreharbeiten, die parallel zur Ausstrahlung der Sendung stattfanden, in der Öffentlichkeit und gingen souverän mit der plötzlichen Bekanntheit um.

Überhaupt war „Comeback“ eine hervorragende Probebühne für junge Talente. Das Durchschnittsalter am Set war niedrig, die Professionalität aber hoch. Das ist auch den Programmchefs von RTL aufgefallen. Sie wollen nun öfter neue, luxemburgische Formate von externen Produktionsfirmen zeigen und dem Nachwuchs eine Chance geben. Damit hat das Projekt „Sitcoms made in Luxembourg“, das nach zwei Produktionen nun in Pause geht, zumindest sein Ziel, die hiesige Filmbranche in ihrer Weiterentwicklung zu fördern, erreicht. Und Ronny Riff wird vielleicht sogar noch einen dritten Frühling erleben, denn französische Produzenten haben sich die Rechte an der Sitcom-Idee gesichert.

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Von Martine Hemmer

Ob sich das Genre Sitcom in Luxemburg etabliert hat, bleibt auch nach „Comeback“ fraglich. Freitagabend um 19 Uhr läuft die letzte Folge auf RTL und es wird noch mal spannend: Wird Ronny Riff Luxemburg beim Eurovision Songcontest vertreten? Doch der Hype um die Serie war trotz ausgeklügelter Social-Media-Strategie kleiner, als man zu Beginn hätte erwarten können.

Der Coup, den Produzent Bernard Michaux landete, als er den fiktiven Achtziger-Jahre-Star Ronny Riff schuf, war zunächst genial. Durch ein Fake-Video, das sein Team im Sommer im Athenäum drehte und anschließend auf Youtube veröffentlichte, ließ er vor allem die jüngeren Nutzer glauben, dass es den Jason-Donovan-Verschnitt aus Luxemburg tatsächlich gab. Doch der Plan, Realität und Fiktion verschmelzen zu lassen, ging nur bedingt auf.

Zwar fand „Comeback“ eine treue Fangemeinde im Netz (über 4700 Freunde auf Facebook), die rege diskutierte, und beim Public Viewing in der Bouneweger Stuff, wo die Sitcom zum größten Teil gedreht wurde, platzte die Kneipe aus allen Nähten. Doch wer sich auf weitere mediale Guerillaattacken gefreut hatte, wurde enttäuscht. Nichtsdestotrotz war „Comeback“ ein ziemlich gutes Stück Fernsehen.

Ein Novum für RTL

Erste Umfragen haben laut RTL ergeben, dass vor allem Luxemburger unter 35 Jahren die Sitcom regelmäßig sahen, meist im Internet. Insofern ist „Comeback“ durchaus ein atypisches Phänomen und für den Sender ein Novum gewesen. Demnach unterscheidet sich „Comeback“ nicht nur inhaltlich vom seinem sehr viel behäbigeren Vorgänger „Weemseesdet“. Beide Serien fanden ihr Publikum. RTL spricht von Reichweiten, die durchaus vergleichbar seien. Doch wem die Produktion mit und von Désirée Nosbusch gefiel, der konnte sich nur selten mit „Comeback“ anfreunden und umgekehrt.

War bei der Familie Wampach die Welt im Prinzip noch in Ordnung, zeichnete „Comeback“ einen Lebensentwurf, bei dem sich die Menschen vom Lustprinzip leiten lassen. Drei Freunde, die sich nicht im Geringsten um Ausbildung und Beruf kümmern und stattdessen ihre Zeit mit Alkohol und albernen Wetten vergeuden, eine Mutter, auf dem Selbstverwirklichungstrip und ein alternder Popstar, der nach und nach entdeckt, wie viele Kinder er eigentlich in seinem Leben gezeugt hat: Da kann die Identifikation schon mal schwer fallen.

Schnelle Schnitte, Flashbacks, Jugendslang

Das aus aufstrebenden Filmschaffenden zusammengesetzte „Comeback“-Team rüttelte außerdem an den Luxemburger Sehgewohnheiten. Schnelle Schnitte, Flashbacks, Jugendslang, ein hipper Soundtrack – manch ein Zuschauer schien davon schlechtweg überfordert, so als hätte es MTV nie gegeben. Hatten die Drehbuchautoren zu Beginn ein geradezu atemberaubendes Tempo vorgelegt, drosselten sie im Laufe der Handlung die Geschwindigkeit, um die Charaktere zu entwickeln.

Es machte Freude, den jungen Nachwuchsdarstellern, die man geradewegs von der Schulbank gecastet hatte, dabei zuzusehen wie sie von Episode zu Episode selbstsicherer wurden und mit ihrer Rolle wuchsen. Julie Kieffer, Konstantin Rommelfangen und Tommy Schlesser standen während der gesamten Dreharbeiten, die parallel zur Ausstrahlung der Sendung stattfanden, in der Öffentlichkeit und gingen souverän mit der plötzlichen Bekanntheit um.

Überhaupt war „Comeback“ eine hervorragende Probebühne für junge Talente. Das Durchschnittsalter am Set war niedrig, die Professionalität aber hoch. Das ist auch den Programmchefs von RTL aufgefallen. Sie wollen nun öfter neue, luxemburgische Formate von externen Produktionsfirmen zeigen und dem Nachwuchs eine Chance geben. Damit hat das Projekt „Sitcoms made in Luxembourg“, das nach zwei Produktionen nun in Pause geht, zumindest sein Ziel, die hiesige Filmbranche in ihrer Weiterentwicklung zu fördern, erreicht. Und Ronny Riff wird vielleicht sogar noch einen dritten Frühling erleben, denn französische Produzenten haben sich die Rechte an der Sitcom-Idee gesichert.

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