Mar 12 2014

“Für einen Schauspieler ein Leckerbissen”

Published by at 04:09 under Acting,TV

SOURCE: http://www.zdf.de

Im Interview mit Vicky Krieps (Elly Beinhorn)

Vicky Krieps spielt Elly Beinhorn, die wohl bedeutendste deutsche Pilotin aller Zeiten. Im Interview spricht sie über ihre Eindrücke vom Set und wie es sich anfühlt, auf den Spuren Elly Beinhorns zu wandeln.

Elly Beinhorn war eine emanzipierte Frau, die ihre Ziele gegen alle Widerstände hartnäckig verfolgte. Wie erklären Sie sich ihren außergewöhnlich starken Willen? Was trieb sie Ihrer Meinung nach an?

Ich glaube, Elly Beinhorn wollte frei sein. Innerlich frei von Konventionen und gesellschaftlichen Normen, aber auch ganz konkret im geografischen Sinn: raus kommen aus der Stadt, den Mauern, der grauen Welt der Menschen. Vielleicht wollte sie sich erheben, auch über die Menschen. Ein wenig Größenwahn gehört jedenfalls dazu, um das zu tun, was sie tat.

Elly hat durch ihre sportlichen Leistungen und ihrem Wunsch nach einer eigenen Karriere mit dem damals gängigen Frauenbild gebrochen. Wie heutig war ihr Verständnis von der Rolle der Frau?

Ich würde sagen: sehr heutig. Sie hat bewiesen, wie stark eine Frau sein kann. Aber nicht nur in Konkurrenz mit Männern. Ich spreche von der Stärke der Frau an sich, eine Kombination aus Sanftheit und Stärke, von Ästhetik und “Hau drauf”. Sie hat ihre Kinder großgezogen und dabei die selbe Stärke bewiesen wie zuvor bei der Fliegerei. Und sie ist ihr Leben lang geflogen. Nicht, um irgendwen zu beeindrucken, sondern um zu fliegen. Das finde ich typisch für eine Frau: so eine tiefe, satte Stärke, die von innen kommt und die Himmel mit Erde verbinden kann.

Wer sich heute auf einen Langstreckenflug begibt, reist oft recht komfortabel. In den 1930er Jahren waren die Umstände weitaus unbequemer. Wie muss man sich die Bedingungen vorstellen, unter denen Elly Beinhorn ihre Flüge meisterte?

Ungefähr so, wie wenn man heute mit einem Moped nach Timbuktu reisen würde. Ihre Maschine hatte 40 PS, das heißt, das Flugzeug blieb bei Gegenwind in der Luft stehen. Unvorstellbar, aber wahr. Sie wurde nicht umsonst als das “Mädchen in der Holzkiste” beschrieben, wenn sie irgendwo in Afrika gesehen wurde. Das muss ein unglaublicher Anblick gewesen sein.

Sie haben mit Original-Flugzeugen gedreht, ein Teil der Dreharbeiten fand in Südafrika statt. Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt und welche Szenen haben sich Ihnen besonders eingeprägt?

Mit den originalen Flugzeugen zu drehen ist ein Leckerbissen für einen Schauspieler. Man hat die Ehre, so eine große Persönlichkeit spielen zu dürfen, und dann stehen diese historischen Requisiten vor einem und man hat das Gefühl, “Hallo Elly” sagen zu können. Die Person schaut einen direkt durch diesen Gegenstand hindurch an. In Afrika zu drehen und tatsächlich ihren Spuren zu folgen, war einfach magisch. Die Sets, die ganz im Stil der 1930er Jahre gebaut wurden, waren wunderschön. Eine meiner ganz starken Erinnerungen habe ich an das Set “Camp Bernatzik”. Dort habe ich, glaube ich, den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens gesehen!

Elly Beinhorn starb 2007, kurz nach ihrem hundertsten Geburtstag. Wenn Sie die Gelegenheit hätten, mit ihr zu sprechen: Welche Frage würden Sie ihr gern stellen?

Tausend Fragen. Aber am meisten würde mich interessieren, was ihr Lieblingslied war, falls sie eines hatte. Das würde ich dann besorgen, zu ihrem Grab gehen und es in voller Lautstärke abspielen!

Ihre Flüge führten Elly Beinhorn um die ganze Welt. Welche Reise hätten Sie gern gemeinsam mit ihr angetreten?

Die Reise zum Mount Everest.

Sie waren an der Seite von Florian David Fitz in “Die Vermessung der Welt”, in “Rommel” und im Oscar-Anwärter “Zwei Leben” zu sehen. Daneben haben Sie in zahlreichen internationalen Produktionen mitgewirkt. Was bedeutet Ihnen “Elly Beinhorn” in dieser Reihe?

Ich habe große Mühe, meinen Beruf in solchen Bewertungen zu sehen. Jeder Film ist immer aufs Neue eine Herausforderung, egal wie klein die Rolle oder wie wichtig der Film, ob national oder international. Am Ende geht es immer darum, der Geschichte, in dem Fall “Elly”, gerecht zu werden und natürlich dem Zuschauer ein Stück Geschichte näher zu bringen, ihn dabei zu unterhalten oder anzustoßen oder einfach nur zum Nachdenken anzuregen. Wenn wir das schaffen, können wir schon zufrieden sein. Alles andere ist Schall und Rauch.

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SOURCE: http://www.zdf.de

Im Interview mit Vicky Krieps (Elly Beinhorn)

Vicky Krieps spielt Elly Beinhorn, die wohl bedeutendste deutsche Pilotin aller Zeiten. Im Interview spricht sie über ihre Eindrücke vom Set und wie es sich anfühlt, auf den Spuren Elly Beinhorns zu wandeln.

Elly Beinhorn war eine emanzipierte Frau, die ihre Ziele gegen alle Widerstände hartnäckig verfolgte. Wie erklären Sie sich ihren außergewöhnlich starken Willen? Was trieb sie Ihrer Meinung nach an?

Ich glaube, Elly Beinhorn wollte frei sein. Innerlich frei von Konventionen und gesellschaftlichen Normen, aber auch ganz konkret im geografischen Sinn: raus kommen aus der Stadt, den Mauern, der grauen Welt der Menschen. Vielleicht wollte sie sich erheben, auch über die Menschen. Ein wenig Größenwahn gehört jedenfalls dazu, um das zu tun, was sie tat.

Elly hat durch ihre sportlichen Leistungen und ihrem Wunsch nach einer eigenen Karriere mit dem damals gängigen Frauenbild gebrochen. Wie heutig war ihr Verständnis von der Rolle der Frau?

Ich würde sagen: sehr heutig. Sie hat bewiesen, wie stark eine Frau sein kann. Aber nicht nur in Konkurrenz mit Männern. Ich spreche von der Stärke der Frau an sich, eine Kombination aus Sanftheit und Stärke, von Ästhetik und “Hau drauf”. Sie hat ihre Kinder großgezogen und dabei die selbe Stärke bewiesen wie zuvor bei der Fliegerei. Und sie ist ihr Leben lang geflogen. Nicht, um irgendwen zu beeindrucken, sondern um zu fliegen. Das finde ich typisch für eine Frau: so eine tiefe, satte Stärke, die von innen kommt und die Himmel mit Erde verbinden kann.

Wer sich heute auf einen Langstreckenflug begibt, reist oft recht komfortabel. In den 1930er Jahren waren die Umstände weitaus unbequemer. Wie muss man sich die Bedingungen vorstellen, unter denen Elly Beinhorn ihre Flüge meisterte?

Ungefähr so, wie wenn man heute mit einem Moped nach Timbuktu reisen würde. Ihre Maschine hatte 40 PS, das heißt, das Flugzeug blieb bei Gegenwind in der Luft stehen. Unvorstellbar, aber wahr. Sie wurde nicht umsonst als das “Mädchen in der Holzkiste” beschrieben, wenn sie irgendwo in Afrika gesehen wurde. Das muss ein unglaublicher Anblick gewesen sein.

Sie haben mit Original-Flugzeugen gedreht, ein Teil der Dreharbeiten fand in Südafrika statt. Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt und welche Szenen haben sich Ihnen besonders eingeprägt?

Mit den originalen Flugzeugen zu drehen ist ein Leckerbissen für einen Schauspieler. Man hat die Ehre, so eine große Persönlichkeit spielen zu dürfen, und dann stehen diese historischen Requisiten vor einem und man hat das Gefühl, “Hallo Elly” sagen zu können. Die Person schaut einen direkt durch diesen Gegenstand hindurch an. In Afrika zu drehen und tatsächlich ihren Spuren zu folgen, war einfach magisch. Die Sets, die ganz im Stil der 1930er Jahre gebaut wurden, waren wunderschön. Eine meiner ganz starken Erinnerungen habe ich an das Set “Camp Bernatzik”. Dort habe ich, glaube ich, den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens gesehen!

Elly Beinhorn starb 2007, kurz nach ihrem hundertsten Geburtstag. Wenn Sie die Gelegenheit hätten, mit ihr zu sprechen: Welche Frage würden Sie ihr gern stellen?

Tausend Fragen. Aber am meisten würde mich interessieren, was ihr Lieblingslied war, falls sie eines hatte. Das würde ich dann besorgen, zu ihrem Grab gehen und es in voller Lautstärke abspielen!

Ihre Flüge führten Elly Beinhorn um die ganze Welt. Welche Reise hätten Sie gern gemeinsam mit ihr angetreten?

Die Reise zum Mount Everest.

Sie waren an der Seite von Florian David Fitz in “Die Vermessung der Welt”, in “Rommel” und im Oscar-Anwärter “Zwei Leben” zu sehen. Daneben haben Sie in zahlreichen internationalen Produktionen mitgewirkt. Was bedeutet Ihnen “Elly Beinhorn” in dieser Reihe?

Ich habe große Mühe, meinen Beruf in solchen Bewertungen zu sehen. Jeder Film ist immer aufs Neue eine Herausforderung, egal wie klein die Rolle oder wie wichtig der Film, ob national oder international. Am Ende geht es immer darum, der Geschichte, in dem Fall “Elly”, gerecht zu werden und natürlich dem Zuschauer ein Stück Geschichte näher zu bringen, ihn dabei zu unterhalten oder anzustoßen oder einfach nur zum Nachdenken anzuregen. Wenn wir das schaffen, können wir schon zufrieden sein. Alles andere ist Schall und Rauch.

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