Oct 25 2015

„Was geht eigentlich gerade ab?“

Published by at 01:33 under TV

Der nächste Freiburger „Tatort“-Nebenkommissar

Interview: Pol Schock

Für Max Thommes läuft es gerade so richtig gut: Der junge Schauspieler und Musiker hat vor kurzem den Dreh zum neuen Tatort Freiburg abgeschlossen, in dem er den Nebenkommissar Hendrik Koch spielt und probt derzeit für seine Rolle in „Herzerlfresser“ am renommierten Schauspiel Leipzig. Ein Gespräch über die schnelllebige Filmbranche, die Dreharbeiten mit Heike Makatsch und was Rollstuhltraining eigentlich damit zu tun hat.

Max Thommes, sind Sie eigentlich ein „Tatort“-Fan?

Nein, ich muss gestehen, dass ich mir den Sonntagskrimi eigentlich nie anschaue – bis jetzt jedenfalls nicht. Aber ich weiß: Ich bin da in Deutschland und Luxemburg wohl eher eine Ausnahme … (lacht)

Was machen Sie überhaupt im neuen Freiburger „Tatort“?

Ich spiele die Rolle von Hendrik Koch, einem jungen Nebenkommissar, der gut gelaunt und voll motiviert seine Aufgaben erledigt. Er ist die wichtigste Bezugsperson für die aus London zurückkehrende Kommissarin Ellen Behringer, die von Heike Makatsch gespielt wird. Allerdings hat er ein Handicap: Er sitzt im Rollstuhl.

Das Fahren damit muss ja auch gelernt sein …

Genau. Die Filmcrew hatte mir in meiner Wahlheimat Berlin extra einen Rollstuhl zur Verfügung gestellt. Ich habe dann versucht, meinen Alltag im Rollstuhl zu erledigen und habe damit z. B. meinen WG-Mitbewohner zum Einkaufen begleitet.

Und das hat immer reibungslos geklappt?

Überhaupt nicht. Die Berliner Pflastersteine sind furchtbar – es hat alles geschmerzt. Und es gab auch eine etwas bizarre Szene im Berliner Tempelhof. Es war ein sonniger Nachmittag, und ich saß dort mit ein paar Freunden relaxend im Park. Als ich dann früher als geplant aufbrechen musste, kam ich mir schon etwas komisch vor, so umgeben von vielen Beobachtern plötzlich aus dem Rollstuhl aufstehen zu müssen. Irgendwie war mir das relativ peinlich, denn sie wussten ja nicht, dass ich da gerade eine Rolle einstudierte.

Schwingt da ein Funke Bedauern mit?

Auf keinen Fall. Es war eine bereichernde Erfahrung, die Welt mal aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers zu sehen, auch wenn ich in Berlin ein ganz einfaches Modell hatte. Später beim Tatortdreh in Freiburg bekam ich dann ein sehr wendiges, sportliches Teil – sozusagen den „Rolls Royce“ unter den Rollstühlen. Das trug definitiv zur Authentizität der Szenen bei.

Wie haben Sie den Platz im „Tatort“-Rollstuhl überhaupt bekommen?

Über ein klassisches Casting. Meine Berliner Agentur „Girke Management“ hat gute Vorarbeit geleistet. Neben mir war nur noch eine weitere Person zum Casting geladen, was schon eher unüblich, um nicht zu sagen verrückt ist. Hinzu kam, dass alles sehr schnell ging; erst der Anruf, dann gleich das Casting, nur drei Tage später hatte ich die Rolle und zwei Wochen später war bereits der Dreh. Innerhalb eines Monats saß ich also mit Heike Makatsch in Freiburg und habe mir gedacht: “Was geht eigentlich gerade ab?”

Und wie geht es jetzt weiter?

Wir haben bis jetzt nur eine Pilotfolge gedreht, die aller Voraussicht nach am Ostermontag 2016 in der ARD ausgestrahlt wird. Wenn die Einschaltquoten gut sind, kann es interessant werden …

Werden Sie sich dann öfters mit Heike Makatsch in Freiburg treffen?

Im besten Fall ja. Wir wären jedenfalls darauf vorbereitet und hätten Lust auf weitere Folgen.

Als Schauspieler kommt man allgemein viel umher …

Ja, das kann man so sagen. Es war relativ stressig und auch chaotisch: Berlin, Freiburg, Luxemburg, Leipzig. Dieses ständige Hin und Her mit Überschneidungen von unterschiedlichen Rollen nagt schon an einem.

Das wird doch wohl bestenfalls auch noch die nächsten 20 Jahre so weitergehen?

Ach, ich will mich ja überhaupt auch nicht beklagen. Es läuft gerade wirklich sehr gut.

Und was steht eigentlich jetzt gerade an?

Ich bin gerade bei Proben zum Theaterstück „Herzerlfresser“ von Ferdinand Schmalz am Schauspiel Leipzig. Dort bin ich für die Musik verantwortlich und spiele auch die Rolle von „Fußpflege Irene“, einer Transsexuellen – eine ziemlich coole Sache, bei der ich mich so richtig austoben kann … (lacht)

Fühlen Sie sich denn eher als Musiker oder als Schauspieler?

Ich bin eher Schauspieler. Auch wenn ich eine schöne Zeit als Schlagzeuger der Band „Inborn!“ hatte und neben der Musik fürs Theater in Leipzig, auch ein neues Soloprogramm „Das Radial“ gestartet habe, bin ich doch durch und durch Schauspieler. Und wenn ich ehrlich bin, auch eher auf der Bühne als vor der Kamera zu Hause.

Und wann sehen wir Sie dann wieder auf einer Bühne in Luxemburg?

Anfang nächsten Jahres werde ich in „Grexit“ einer Theaterproduktion des ILL-Kollektivs in „neimënster“ und in der Kufa zu sehen sein.

Max Thommes wurde 1987 in Luxemburg geboren. Während seiner Sekundarschulzeit, war er als Schlagzeuger der Band „Inborn!“ aktiv, mit der er 2011 das von Ross Robinson produzierte Album „Persona“ aufnahm. Er absolvierte sein Schauspielstudium an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und war am bat-Studiotheater Berlin u . a. zu sehen in „Robert Guiskard, Herzog der Normänner“. Er spielte in „Antigone“ am Kapuzinertheater, sowie in „Peer Gynt“ am Musikkonservatorium, der Maskénada-produktion „Fräulein Else & Leutnant Gustl“ von Arthur Schnitzler und in „Baal“ von Bertolt Brecht an der Schaubühne Berlin. Filmauftritte hatte er u. a. in „Diamant 13“ und in der Fernsehserie „Weemseesdet“. Vor kurzem spielte er die Hauptrolle in „Mammejong“ von Jacques Molitor und wird im kommenden Jahr als Nebenkommissar im neuen Tatort Freiburg zu sehen sein.

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Der nächste Freiburger „Tatort“-Nebenkommissar

Interview: Pol Schock

Für Max Thommes läuft es gerade so richtig gut: Der junge Schauspieler und Musiker hat vor kurzem den Dreh zum neuen Tatort Freiburg abgeschlossen, in dem er den Nebenkommissar Hendrik Koch spielt und probt derzeit für seine Rolle in „Herzerlfresser“ am renommierten Schauspiel Leipzig. Ein Gespräch über die schnelllebige Filmbranche, die Dreharbeiten mit Heike Makatsch und was Rollstuhltraining eigentlich damit zu tun hat.

Max Thommes, sind Sie eigentlich ein „Tatort“-Fan?

Nein, ich muss gestehen, dass ich mir den Sonntagskrimi eigentlich nie anschaue – bis jetzt jedenfalls nicht. Aber ich weiß: Ich bin da in Deutschland und Luxemburg wohl eher eine Ausnahme … (lacht)

Was machen Sie überhaupt im neuen Freiburger „Tatort“?

Ich spiele die Rolle von Hendrik Koch, einem jungen Nebenkommissar, der gut gelaunt und voll motiviert seine Aufgaben erledigt. Er ist die wichtigste Bezugsperson für die aus London zurückkehrende Kommissarin Ellen Behringer, die von Heike Makatsch gespielt wird. Allerdings hat er ein Handicap: Er sitzt im Rollstuhl.

Das Fahren damit muss ja auch gelernt sein …

Genau. Die Filmcrew hatte mir in meiner Wahlheimat Berlin extra einen Rollstuhl zur Verfügung gestellt. Ich habe dann versucht, meinen Alltag im Rollstuhl zu erledigen und habe damit z. B. meinen WG-Mitbewohner zum Einkaufen begleitet.

Und das hat immer reibungslos geklappt?

Überhaupt nicht. Die Berliner Pflastersteine sind furchtbar – es hat alles geschmerzt. Und es gab auch eine etwas bizarre Szene im Berliner Tempelhof. Es war ein sonniger Nachmittag, und ich saß dort mit ein paar Freunden relaxend im Park. Als ich dann früher als geplant aufbrechen musste, kam ich mir schon etwas komisch vor, so umgeben von vielen Beobachtern plötzlich aus dem Rollstuhl aufstehen zu müssen. Irgendwie war mir das relativ peinlich, denn sie wussten ja nicht, dass ich da gerade eine Rolle einstudierte.

Schwingt da ein Funke Bedauern mit?

Auf keinen Fall. Es war eine bereichernde Erfahrung, die Welt mal aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers zu sehen, auch wenn ich in Berlin ein ganz einfaches Modell hatte. Später beim Tatortdreh in Freiburg bekam ich dann ein sehr wendiges, sportliches Teil – sozusagen den „Rolls Royce“ unter den Rollstühlen. Das trug definitiv zur Authentizität der Szenen bei.

Wie haben Sie den Platz im „Tatort“-Rollstuhl überhaupt bekommen?

Über ein klassisches Casting. Meine Berliner Agentur „Girke Management“ hat gute Vorarbeit geleistet. Neben mir war nur noch eine weitere Person zum Casting geladen, was schon eher unüblich, um nicht zu sagen verrückt ist. Hinzu kam, dass alles sehr schnell ging; erst der Anruf, dann gleich das Casting, nur drei Tage später hatte ich die Rolle und zwei Wochen später war bereits der Dreh. Innerhalb eines Monats saß ich also mit Heike Makatsch in Freiburg und habe mir gedacht: “Was geht eigentlich gerade ab?”

Und wie geht es jetzt weiter?

Wir haben bis jetzt nur eine Pilotfolge gedreht, die aller Voraussicht nach am Ostermontag 2016 in der ARD ausgestrahlt wird. Wenn die Einschaltquoten gut sind, kann es interessant werden …

Werden Sie sich dann öfters mit Heike Makatsch in Freiburg treffen?

Im besten Fall ja. Wir wären jedenfalls darauf vorbereitet und hätten Lust auf weitere Folgen.

Als Schauspieler kommt man allgemein viel umher …

Ja, das kann man so sagen. Es war relativ stressig und auch chaotisch: Berlin, Freiburg, Luxemburg, Leipzig. Dieses ständige Hin und Her mit Überschneidungen von unterschiedlichen Rollen nagt schon an einem.

Das wird doch wohl bestenfalls auch noch die nächsten 20 Jahre so weitergehen?

Ach, ich will mich ja überhaupt auch nicht beklagen. Es läuft gerade wirklich sehr gut.

Und was steht eigentlich jetzt gerade an?

Ich bin gerade bei Proben zum Theaterstück „Herzerlfresser“ von Ferdinand Schmalz am Schauspiel Leipzig. Dort bin ich für die Musik verantwortlich und spiele auch die Rolle von „Fußpflege Irene“, einer Transsexuellen – eine ziemlich coole Sache, bei der ich mich so richtig austoben kann … (lacht)

Fühlen Sie sich denn eher als Musiker oder als Schauspieler?

Ich bin eher Schauspieler. Auch wenn ich eine schöne Zeit als Schlagzeuger der Band „Inborn!“ hatte und neben der Musik fürs Theater in Leipzig, auch ein neues Soloprogramm „Das Radial“ gestartet habe, bin ich doch durch und durch Schauspieler. Und wenn ich ehrlich bin, auch eher auf der Bühne als vor der Kamera zu Hause.

Und wann sehen wir Sie dann wieder auf einer Bühne in Luxemburg?

Anfang nächsten Jahres werde ich in „Grexit“ einer Theaterproduktion des ILL-Kollektivs in „neimënster“ und in der Kufa zu sehen sein.

Max Thommes wurde 1987 in Luxemburg geboren. Während seiner Sekundarschulzeit, war er als Schlagzeuger der Band „Inborn!“ aktiv, mit der er 2011 das von Ross Robinson produzierte Album „Persona“ aufnahm. Er absolvierte sein Schauspielstudium an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und war am bat-Studiotheater Berlin u . a. zu sehen in „Robert Guiskard, Herzog der Normänner“. Er spielte in „Antigone“ am Kapuzinertheater, sowie in „Peer Gynt“ am Musikkonservatorium, der Maskénada-produktion „Fräulein Else & Leutnant Gustl“ von Arthur Schnitzler und in „Baal“ von Bertolt Brecht an der Schaubühne Berlin. Filmauftritte hatte er u. a. in „Diamant 13“ und in der Fernsehserie „Weemseesdet“. Vor kurzem spielte er die Hauptrolle in „Mammejong“ von Jacques Molitor und wird im kommenden Jahr als Nebenkommissar im neuen Tatort Freiburg zu sehen sein.

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